Der Wiedehopf am Tuniberg

Bild: Beate Seelmann-Eggebert
Bild: Beate Seelmann-Eggebert

Die Erfolgsgeschichte des Wiedehopfprojektes am Tuniberg

Das Wiedehopfprojekt wurde vom Regierungspräsidium in Zusammenarbeit mit dem NABU 1990 ins Leben gerufen. Es ging und geht darum den Wiedehopf am Tuniberg wieder heimisch zu machen.
Bis zu den Flurbereinigungsmaßnahmen in den 60iger Jahren war der Wiedehopf ein steter Begleiter der Winzer im Kaiserstuhl und Tuniberg. Durch die Landschaftsumgestaltung verschwanden die natürlichen Bruträume und mit ihnen der Wiedehopf. 
Einen wesentlichen Beitrag zur praktischen Umsetzung des Projektes, sowohl am Tuniberg als auch im Kaiserstuhl leisteten anfangs die NABU Mitglieder Engelbert  Mayer (bis 2015 Vorsitzender der  NABU-Gruppe Kaiserstuhl) und Christian Stange (Ornithologe), der im Auftrag des Regierungspräsidiums das Naturschutzprogramm koordiniert.  Doch ohne die Pionierarbeit in Feld und Flur von Franz Nagel (seit 1991) und Claus Georg Krieger, der 2009 die Projektleitung übernahm, wäre der Erfolg des Wiedehopfprojektes nicht denkbar.
Mit der Einrichtung von künstlichen Nisthilfen im Tuniberg  seit 1991 erhoffte man sich schon früh die Rückkehr des Wiedehopfes. Doch der Erfolg der Arbeit ließ auf sich warten.
Erst 2006 brütete das erste Wiedehopfpaar in Merdingen.
Schwerpunkt der Arbeit ist die Schaffung von künstlichen Nisthilfen  (siehe Diagramm).

Stand 27.07.2018 / Kri
Stand 27.07.2018 / Kri

Folgen der zögerlichen Rückkehr der Wiedehopfe am Tuniberg

Im Gegensatz zum Vorjahr kehrte der Frühling nach einem kalten, regnerischen und sonnenarmen Frühjahr erst Anfang April zurück und mit ihm ziemlich verspätet ein Großteil der Wiedehopfe. Trotz der optimalen Brutbedingungen in den kommenden Wochen und Monaten bis einschließlich Juli mit seinem sonnigen, sommerlich warmen und wenig regnerischen Tagen begann die Brutsaison am Tuniberg recht zögerlich. Es dauerte fast einen Monat, bis Nistkästen belegt waren und mit der Brut begonnen werden konnte. 

Nur zweidrittel der im Vorjahr belegten Nistplätze wurde von Wiedehopf-Brutpaaren bezogen. Dieser Rückgang war auch am Kaiserstuhl festzustellen. Als Folge davon ging auch die Zahl der Nachkommen unter Berücksichtigung der Zweitbruten zurück und lag bei insgesamt nur 74 Jungtieren im Vergleich zum Vorjahr mit 97 (s.u.). 

Nun kann man über die Ursachen des diesjährigen Rückgangs der Population trefflich spekulieren. 

- Sind die Wiedehopfe weiter gezogen in nördlichere Gefilde, weil die mediterrane Warmfront sich im Rahmen des Klimawandels immer weiter nach Norden verlagert?

- Sind es die turbulenten, bis Ende März anhaltenden Wetterbedingungen auf der Zugroute über das Mittelmeer und die Alpen, die diese Langstreckenzieher aus dem äquatornahen Überwinterungsdomizil in Afrika so sehr strapazierten, dass einige Vögel nicht überlebten? 

- Sind es die Stare, die die eine oder andere Nisthöhle konkurrenzlos beziehen konnten und den verspätet eintreffenden Wiedehopfen somit den Brutplatz nahmen?

- Sind es der allseits beklagte Insektenschwund, die lang anhaltende Trockenheit, der vermehrte Einsatz von Herbiziden, die Versiegelung großer Landwirtschaftsflächen durch Plastikplanen im Frühjahr, die Rationalisierungsmaßnahmen und Intensivierung von Weinbau und Landwirtschaft?

Die Spekulationen über möglichen Ursachen sind zahlreich. Doch können sie den diesjährig auffälligen Rückgang der Population am Tuniberg erklären? Wohl kaum, da es für eine seriöse, wissenschaftlich begleitete Erhebung grundsätzlich gilt, dass Beobachtungen eines Jahres zwar bemerkenswert sind, sich aber daraus noch lange keine Trends voraussagen lassen. Dies können nur Langzeitbeobachtung über mehrere Jahre leisten, begleitet durch wissenschaftliche Studien über mögliche Ursachen.

Es gilt also abzuwarten, wie sich die Wiedehopf-Population in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Erfreulicher Weise gibt es am Tuniberg trotz des Konflikts zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen zunehmend mehr Anzeichen eines naturverträglicheren Umdenkens und Wirtschaftens: Die Zahl der Winzer und Landwirte, die ökologischen Anbau praktizieren, steigt. Rebflächen, Brache und Wegränder werden naturnah gepflegt und bewirtschaftet. Die Bemühungen einer Diversität- fördernden Böschungspflege durch koordinierendes Management durch die Stadt Freiburg (Umweltamt und GuT) und Breisach (Landratsamt) und deren Mitarbeiter vor Ort zeigen sichtbar erste Erfolge. Es entstehen Bienenweiden bzw. insektenfreundliche Grünstreifen zwischen den Rebzeilen, so dass man sie wiederfinden kann: die seltenen Pflanzen, wie Kuhschelle, Orchideen, Milchstern u.a., und Tiere wie die Störche, Bienenfresser, Kiebitze, Wildbienen u.a, die einst vor der Flurbereinigung den Tuniberg besiedelten. Dem kurzbeinigen Wiedehopf, der nur in kurz geschorenem Gelände Nahrung finden kann, kommt das fast ganzjährige Mulchen und Grubbern zwischen den Rebzeilen und der weitgehende Verzicht auf Insektizide sehr zu Gute.

All das lässt hoffen, dass der Tuniberg in den nächsten Jahren attraktiver wird für eine Vielzahl von heimischen Pflanzen und Tieren, natürlich auch für den Wiedehopf und letztlich den Menschen, der sich an ihrer Vielfalt und Farbenpracht erfreuen kann.

Bild und Text: Claus G. Krieger                                                           (Leiter  des NABU-Wiedehopf-Projekts am Tuniberg)


Verleihung des Naturschutzpreises der Stadt Freiburg am Samstag, den 18.02.2017

Mit dem 1. Preis wurde C. G. Krieger für das NABU-Projekt Wiedehopf am Tuniberg ausgezeichnet.

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Wiedehopf kehrt nur zögerlich zurück

Der Bestand des Vogels am Tuniberg ist im Jahr 2018 leicht rückläufig.

Siehe hierzu auch den Bericht aus "Der Sonntag" vom 2.9.2018.